Zuletzt aktualisiert 28. Mai 2026
Nach ihren ersten politischen Gesprächen in Peking hat Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche den Spagat der deutschen China-Politik zwischen Wirtschaftsinteressen und wachsender Abhängigkeit sichtbar gemacht. Deutschlands Handelsdefizit mit China liegt bei fast 90 Milliarden Euro – mit weiter steigender Tendenz.
„Unsere Unternehmen sind gewohnt, sich in harten, wettbewerblichen Bedingungen nicht nur zurechtzufinden, sondern auch durchzusetzen. Wir suchen den Dialog mit China, weil es faire Wettbewerbsbedingungen braucht. Wettbewerb ist gut und sorgt dafür, dass man gemeinsam besser wird. Aber Wettbewerb muss so gestaltet und organisiert sein, dass er zu beiderseitigem Nutzen ist“, sagte Reiche nach den ersten Treffen in Peking. Chinas Handelsminister Wang Wentao hatte zuvor bei einem Treffen mit Reiche davon gesprochen, dass die EU handelspolitische Maßnahmen mit „stark protektionistischer Färbung“ auf den Weg gebracht habe. Einen neuen Vorstoß mehrerer EU-Staaten vom Wochenende, die weiter einen dringenden Handlungsbedarf bei chinesischen Überkapazitäten und unfairen Handelspraktiken sehen, hat die deutsche Bundesregierung laut einem Bericht von Euronews bisher nicht unterzeichnet.
Unter den Mitgliedern der Wirtschaftsdelegation, die Reiche begleitet, befinden sich unter anderem der BASF-Chef, der Vorstandschef von Thyssenkrupp und der Vorstand der E-Mobility-Sparte der Schaeffler AG. Trotz aller Spannungen bleibt China mit einem Handelsvolumen von rund 250 Milliarden Euro Deutschlands wichtigster Handelspartner. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit von chinesischen Lieferungen, wie bei Solarpanels, Antibiotika oder Seltenen Erden, weiter an. Und während die EU mit Zöllen oder einem CO₂-Grenzausgleich reagiert, droht Peking mit weiteren Gegenmaßnahmen.
