Zuletzt aktualisiert 11. Mai 2026
Die AfD hat mit 58,4 Prozent der Stimmen die Oberbürgermeister-Wahl im brandenburgsichen Zehdenick gewonnen. Für die Partei trat mit René Stadtkewitz ein Mann an, der auf eine bewegte politische Biographie zurückblickt. Er ist der erste direkt gewählte hauptamtliche AfD-Bürgermeister im Land Brandenburg. Seine Wahl wurde bundesweit als politisches Signal für die zunehmende kommunale Verankerung der AfD wahrgenommen.
Profiliert seit der Wendezeit
René Stadtkewitz wurde am 9. Januar 1965 in Ost-Berlin geboren. Er wuchs in der DDR auf, absolvierte eine Ausbildung als Metallurg für Walzwerktechnik und arbeitete später im Bereich des Industrieroboterbaus. Nach eigenen Angaben verweigerte er während seines Wehrdienstes einen Einsatz an der innerdeutschen Grenze und geriet dadurch in Konflikt mit staatlichen Stellen der DDR. Im Jahr des Mauerfalls floh er mit seiner Familie über Ungarn in die Bundesrepublik Deutschland und kehrte nach der Wiedervereinigung nach Berlin zurück.

Seine politische Laufbahn begann Mitte der 1990er Jahre in der Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU). Innerhalb der Berliner CDU engagierte sich Stadtkewitz insbesondere im Bezirk Pankow. Von 2001 bis 2011 war er Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses. Dort profilierte er sich vor allem in Debatten über Integration, Islamismus und Sicherheitspolitik.
Engagiert gegen die Islamisierung
Bundesweit bekannt wurde Stadtkewitz durch seine Beteiligung an Protesten gegen den Bau der Khadija-Moschee im Berliner Ortsteil Heinersdorf. In diesem Zusammenhang trat er mehrfach mit islamkritischen Positionen hervor. Seine politischen Gegner warfen ihm vor, antiislamische Ressentiments zu bedienen, während seine Anhänger ihn als Verteidiger westlicher und christlich geprägter Werte betrachteten. 2006 wurde auf das Wohnhaus seiner Familie ein Brandanschlag verübt; die Täter wurden nie ermittelt.
Ein entscheidender Einschnitt in seiner Karriere erfolgte 2010. Stadtkewitz lud den niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders zu einer Veranstaltung nach Berlin ein. Die Einladung führte zu heftigen Konflikten innerhalb der CDU. Nachdem er sich weigerte, die Einladung zurückzuziehen, wurde er aus der CDU-Fraktion ausgeschlossen und verließ schließlich die Partei.
Gründung der Partei Die Freiheit
Noch im selben Jahr gründete Stadtkewitz die Partei Die Freiheit, die sich selbst als wertkonservativ verstand, von Politikwissenschaftlern jedoch überwiegend dem rechtspopulistischen Spektrum zugeordnet wurde. Inhaltlich konzentrierte sich die Partei stark auf Kritik am politischen Islam, Fragen der Zuwanderung sowie Forderungen nach direkter Demokratie nach Schweizer Vorbild. Stadtkewitz war von 2010 bis 2013 Bundesvorsitzender der Partei. Bei Wahlen blieb „Die Freiheit“ allerdings politisch bedeutungslos und verlor nach einigen Jahren stark an Einfluss.
Parallel dazu engagierte sich Stadtkewitz in der islamkritischen Organisation Bürgerbewegung Pax Europa, deren Berliner Landesvorsitzender und später Bundesvorsitzender er war. Die Organisation versteht sich als Verteidigerin der freiheitlich-demokratischen Grundordnung gegen Islamismus, wird jedoch von Kritikern dem rechtspopulistischen Milieu zugerechnet.
Beitritt zur AfD
Nach dem Niedergang von „Die Freiheit“ näherte sich Stadtkewitz politisch der Alternative für Deutschland (AfD) an. Bereits 2013 erklärte er öffentlich, dass große programmatische Überschneidungen zwischen beiden Parteien bestünden. Offiziell trat er der AfD allerdings erst 2024 bei. Anschließend engagierte er sich kommunalpolitisch in Brandenburg und kandidierte für das Bürgermeisteramt der Stadt Zehdenick.

Herzlichen Glückwunsch an René Stadtkewitz!