Das Christchurch-Attentat: Mord als Streaming-Ereignis

Das Christchurch-Attentat: Mord als Streaming-Ereignis

Facebook hat ein Video gelöscht, das der Attentäter von Christchurch in Neuseeland über sein Konto in dem sozialen Netzwerk live verbreitet hatte. Facebook hat dieses Video in den ersten 24 Stunden nach der Tat nicht einmal, hundertmal oder tausendmal gelöscht, sondern – nach eigenen Angaben des US-Unternehmens – mehr als 1,5 Millionen Mal. Die Löschungen betrafen auch Versionen, aus denen alle besonders grausamen Szenen herausgeschnitten worden waren. Für manche seriösen Blogger wurde dadurch die Berichterstattung über das Ereignis nicht einfacher.

Die Aufnahmen entstanden mit einer GOPRO-Helmkamera, die von bewegungsaktiven Menschen häufig verwendet wird, um beispielsweise eine Skiabfahrt oder einen Fallschirmsprung zu dokumentieren. Die Weitergabe von Kopien des Videos erfolgte in den Stunden nach dem Attentat so schnell und umfassend, dass die Bemühungen von Facebook und anderen Online-Unternehmen, die öffentliche Präsenz der grauenhaften Aufnahmen zu unterdrücken, zumindest im Milieu internetaffiner junger Menschen eher noch einen Ansporn als ein Hindernis für die Verbreitung darstellten.

Brenton Tarrant, der Mörder von Christchurch, vermarktete seine Tat in zwar qualitativ schlechteren, dem Motiv nach aber ähnlichen Schreckensbildern, wie sie zuvor bereits der „Islamische Staat“ von seinen Greueltaten ins Internet gestellt hatte, um seine Gegner einzuschüchtern und Angst und Schrecken zu verbreiten. Diese Propagandastrategie unterscheidet sich deutlich von der klassischen staatlichen Kriegspropaganda, die sich seit dem Ersten Weltkrieg entwickelt hat. Denn diese klassische Kriegspropaganda vermied gerade schreckliche Bilder und versuchte, ihrer jeweiligen Zielgruppe – das war im Regelfall die gesamte erwachsene Bevölkerung des jeweiligen kriegsführenden Landes – den Krieg als Abenteuer zu verkaufen, um die Moral hoch zu halten. Diese Grundtendenz war zuletzt auch noch in der US-Berichterstattung über die beiden Golfkriege erkennbar. Journalisten, die ins Kriegsgebiet gingen und mit der Kamera beispielsweise die grausamen Folgen US-amerikanischer Luftangriffe zeigten, konterkarierten diese Strategie und wurden von den großen Sendeanstalten boykottiert sowie politisch geächtet.

Die Propaganda der Terroristen dagegen will den globalen Normalbürger schockieren und adressiert sich ansonsten an kleine Minderheiten, die sie mobilisieren und zur Nachahmung anstacheln will.

SIGNAL macht keine Propaganda, sondern Berichterstattung. Wir sind ein aktuelles Medium, das sich der Welt so verpflichtet sieht, wie sie ist, und nicht, wie sie sein sollte. Dabei unterscheiden wir Wesentliches von Unwesentlichem. Und wir unterschlagen nichts, was zumindest auf Tagessicht wesentlich ist.

Ein Klick auf das Video-Symbol, und das Grauen bricht los.

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