Zuletzt aktualisiert 24. August 2026
Bernd Siggelkow hat etwas, was der CDU und den übrigen Altparteien fehlt: Glaubwürdigkeit. Er gründete 1995 in Berlin-Hellersdorf das christliche Kinder- und Jugendhilfswerk „Die Arche“, das bundesweit zu einem Erfolgsmodell wurde, nachdem sich das Ausmaß der Kindearmut in Deutschland seither in etwa verdreifacht hat und offenbar niemand mehr so richtig glaubt, dass dem Problem wirklich sozialpolitisch beigekommen werden kann. Da scheint sich pragmatische Linderung, wie sie die Arche bietet, in Gold kaum aufwiegen zu lassen.
Bernd Siggelkow ist kein ideologischer Schwätzer, sondern ein Mensch der Tat, der an den Ursachen sozialer Verwerfungen in unserem Land selbst dann nicht würde vorbeischauen können, wenn er es wollte: sie stehen ihm in seiner alltäglichen Arbeit vor Augen. Ihm ist klar, dass die Politik der offenen Grenzen alle sozialen Verwerfungen im Lande radikalisiert hat, und damit auch die politische Diskussion.
Aussichtloser Wahlkreis
Nun hat die CDU Bernd Siggelkow als Direktkandidaten für das Berliner Abgeordnetenhaus im Wahlkreis Marzahn 2 aufgestellt. Bei der letzten Berlinwahl lag die Union in diesem Wahlkreis weit abgeschlagen mit 14,9 Prozent der Erststimmen auf dem vierten Platz hinter Die Linke, SPD und AfD. Da wäre normalerweise von einer reinen „Zählkandidatur“ ohne echte Wahlchance zu sprechen – aber bei Siggelkows Beliebtheit im Bezirk ist schwer zu kalkulieren, was am Wahltag wirklich geschehen wird.
Trotz der relativen Aussichtslosigkeit seiner Kandidatur plakatiert die CDU im Berliner Osten Bernd Siggelkow rauf und runter, wie ein fleißiger Bienenschwarm, der ums nackte Überleben kämpft. Der 62-Jährige hängt auf Großplakaten und viel häufiger noch am Laternenpfahl in- wie außerhalb seines Wahlbezirks wie eine Trophäe.
Das macht die CDU nicht gut und den Mann nicht schlecht. Und es belässt ihm die Freiheit, trotz seiner Parteibindung die Wahrheit sagen zu dürfen: „Merkel hat unsere Kinder geopfert.“ Wozu ich mir die Ergänzung erlaube: Und Merz versucht, ihr Werk zu vollenden.
„Merkel hat unsere Kinder geopfert“
Falls am Wahltag ein Wunder geschieht und Siggelkow trotz seines linkslastigen Wahlkreises ins Abgeordnetenhaus gewählt werden sollte, wird die Union an ihm keine Freude haben. Wahrscheinlich ist aber eher, dass das leicht durchschaubare Parteikalkül aufgeht, Siggelkow verbrannt wird und die CDU ihn instrumentalisiert wie ein Pin-up, das der Partei dabei hilft, der AfD in Berlin ein oder zwei Prozent der Stimmen abzujagen.
Schön ist das nicht. Es belegt die nackte Verzweiflung in der Union, die nach jedem Strohalm greift, um gegen die AfD nicht unterzugehen.
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