Foto: Friedrich Merz | Urheber: Olaf Kosinsky | Lizenz: CC BY-SA 3.0

Zuletzt aktualisiert 15. September 2026

Wann stürzt Merz? Diese Frage stellen nicht nur wir uns, sondern diese Frage stellt sich die Nation. Also es gibt ja wohl kaum einen Bundeskanzler, der also schlechter performt hat als Friedrich Merz, Manfred.

Es gibt auch keinen Bundeskanzler, der jeweils so unbeliebt war und dem ein so geringer Bevölkerungsanteil, das liegt jetzt im unteren Bereich unter 15 Prozent, die politische Problemlösung zutraut.

Wir erleben einen historischen Rekord nach dem anderen und auch ich selbst kann mich überhaupt nicht an irgendeine Phase erinnern und ich habe den ersten Bundestagswahlkampf aktiv verfolgt im Jahre 1980.

1980? So ein Alter?

So alt bin ich schon, ja, man sieht es mir nicht an, aber so alt bin ich schon. Als Franz Josef Strauß Helmut Schmidt herausgefordert hat und jeder sagte, das ist jetzt hier die sensationelle Konfrontation, das erleben wir so nie wieder. Das ist überhaupt nichts im Vergleich zu dem, was wir jetzt haben, eine Situation, in der die Bundesregierung das Gegenteil von dem macht, was der Bundeskanzler vor der Wahl angekündigt hat, und zwar in jeder Hinsicht, in der nur noch verwaltet wird, in der irgendeine gestalterische, politische Handlung überhaupt nicht erkennbar ist und das in Zeiten grundstürzender Veränderungen, die eine starke Bundesregierung verlangen würden. Und dann haben wir diese absolut unsägliche Brandmauer-Debatte, die ja nur darauf abzielt, die Demokratie auszuhebeln, zu dem Zweck, die Altparteienherrschaft in Deutschland so weit zu verlängern, wie es irgendwie nur möglich ist. So eine katastrophale Situation hatten wir historisch noch nie und was Ähnliches habe auch ich selber noch nie erlebt.

Und in dieser Lage müsste er selbstverständlich sofort zurücktreten.

Ja, der müsste eigentlich sofort zurücktreten. Jeder Tag länger im Amt ist eine Belastung für Deutschland. Und spätestens in dem Moment, in dem seine in Landtagswahlen stehenden Verbände der CDU ihm sagen, dass er nicht kommen muss, um ihren Wahlkampf in Anführungszeichen zu unterstützen. Eine Unterstützung ist es ja nicht. Es ist eine Belastung. Da kann auch Friedrich Merz selber nicht mehr übersehen, dass mit ihm, mit seiner Politik, mit dem Vertrauen, das die Bevölkerung in seine Regierung hat und das auch seine eigene Partei in seine Regierung hat, irgendetwas nicht in Ordnung ist, dass er in dieser Situation trotzdem einfach weitermacht, bedeutet einfach nur, dass Friedrich Merz die sehr schmale politische Perspektive, die er persönlich noch hat, nämlich diejenige, das einfach auszusitzen bis zum Ende der Legislaturperiode, die befürchtet, dass er das machen und wahrscheinlich auch schaffen wird, dass er diese sehr schmale persönliche Perspektive über die Interessen des Landes stellt.

Früher gab es ja mal diese schöne Redewendung, die da lautete, erst das Land, dann die Partei, dann die Person. Das ist komplett auf den Kopf gestellt. Da kommt im Moment in dieser Bundesregierung erst die Person, dann kommt die Partei, dann kommt eine ganze Weile lang mal gar nichts. Und dann kommt die kosmopolitische Weltgemeinschaft der Billig- und Gerechtdenkenden – und das Land gibt es überhaupt nicht mehr im politischen Denken dieser Akteure.

Die meisten Leute fühlen sich ja wirklich nicht ernst genommen von ihm und er hat ja auch irgendwie so eine unselige, rhetorische Art, unemotional, unempathisch und irgendwie kalt rüber zu kommen. Das kommt ja noch dazu bei verschiedenen Fragen aus dem Publikum, die man auch damals im TV gesehen hat und so weiter, wie er das einfach so abbürstet.

Ja, er hat ja auch in seiner Analyse des Ergebnisses der Wahl von Sachsen-Anhalt gesagt, jetzt sei es an der Zeit, dass seine Regierung empathischer rüberkäme und ihre Politik in der Öffentlichkeit besser verkaufen würde. Das heißt, ändern will er nichts und es wirft die Frage auf, wer soll denn das sein, der diese katastrophale Politik, die objektiv eine Dauerrezession begründet, die ein Fortsetzen aller multikulturellen Probleme begründet, und die darauf hinausläuft, dass die Mitte Europas nach wie vor als internationaler Machtfaktor, wenn es zum Beispiel darum geht, Frieden in der Ukraine zu stiften, keine Rolle spielt, sondern ein Getriebener fremder Mächte ist. Wer soll denn eine solche Politik, wie er sie da macht, besser und sympathischer verkaufen?

Also Friedrich Merz selber ja wohl nicht. Das haben auch seine Auftritte nach der Wahl in Sachsen-Anhalt klargemacht. Ein Desaster nach dem anderen. Die CDU hat sich in Sachsen-Anhalt halbiert. Gab es denn da nicht im Vorfeld Gerüchte, dass er dann zurücktreten muss, wenn er dieses Ergebnis sieht? Ja, die Gerüchte gab es und die beruhten offenbar auf Stimmen innerhalb der Union, die sagen, das ist ein Bundeskanzler, mit dem keine Wahlen mehr zu gewinnen sind.

Und das ist ja auch aus der Perspektive der CDU offensichtlich. Aber die Einzige, die sich getraut hat, vor Fernsehkameras zu gehen, und das öffentlich auszusprechen, war die Bundesschatzmeisterin der Jungen Union. Eine in der Öffentlichkeit völlig unbekannte junge Frau, die in näherer Zeit wahrscheinlich auch innerhalb der Union für kein Amt kandidieren wird, mit der Folge, dass man ihr auch nicht aufs Brot schmieren kann, dass sie sich gegenüber den Interessen der Partei unsolidarisch verhalten würde.

Was sie natürlich objektiv auch nicht tut, sondern sie spricht eine Wahrheit aus, die mich ein bisschen erinnert hat an die Geschichte von des Kaisers neuen Kleidern, wo sich einfach keiner traut, dem Kaiser zu sagen, dass er nackt ist. Und das ist die Situation in der Union. Dieser Kanzler ist nackt, der hat überhaupt nichts an und außer dem Mädel aus dem Bundesvorstand der Jungen Union hat sich keiner getraut, das mal offen zu sagen.

Die Frage kippt das um. Die hat gesagt, dass mit Friedrich Merz keine Wahl zu gewinnen ist und dass er daraus Konsequenzen ziehen muss und das kann ja nur bedeuten zurücktreten.

Also diese Stimmen kommen schon aus der Union. Spannend wird auch die Zeit jetzt in Magdeburg sein. Und die Frage, gibt es Abweichler von der Union, wenn es darum geht, Sigmund ins Amt des Ministerpräsidenten zu wählen? Und falls ja, wie viele Abweichler gibt es?

Ich kann also nur den Abgeordneten des BSW empfehlen, sich möglichst frühzeitig alle der Stimme zu enthalten oder sogar für Sigmund zu stimmen. Denn wenn das stattdessen die Unionsvertreter machen, was ja ohne weiteres möglich ist, dann können die behaupten, das seien die BSWler gewesen. Wenn die BSWler sich aber auch der Stimme enthalten oder sogar für Sigmund stimmen, dann wird das niemand mehr sagen können. Denn wenn am Ende zehn Enthaltungen da sind oder ein paar Stimmen noch mehr für Sigmund als das BSW-Mandate hat, dann ist klar, das können nur Unionsabgeordnete sein. Also das wird jetzt eine noch mal unglaublich spannende Phase. Aber meine Prognose ist die, dass Merz mit dieser SPD, mit der SPD von Baas und Klingbeil, die ja nun politisch keine Agenda mehr hat, außer Überleben. Überleben ist alles, was die noch wollen. Ein Programm haben die nicht mehr.

Sich ihre Pfründe sichern.

Die, wie ja nun der Unmöglichste in dieser ganzen politischen Truppe, ist der Ministerpräsident von Thüringen, der Herr Voigt, der falsche Doktor, dem also seine Universität den Doktortitel aberkennt. Und der einfach die Sache aussitzt und sich in die Zeit nach der nächsten Wahl schleppt, um im vollen Umfang seine Pension zu bekommen, um im vollen Umfang bis zum Schluss alle weiteren Bezüge zu erhalten.

Der hat überhaupt keine politischen Ansprüche mehr und auch keinerlei politische Perspektive mehr. Der wird sich verabschieden mit einem extrem goldenen Handschlag und nie wieder für irgendwas kandidieren. Ja, das ist Politik. Der ist weg vom Fenster, das weiß der auch. Aber der schleppt sich einfach durch bis zum Schluss. Und was der in der Führung auf Landesebene macht, das wird eisern ein Friedrich Merz auch auf Bundesebene durchziehen.

Doch mit einem großen Unterschied. Der Merz hätte es ökonomisch nicht nötig. Ja, der ist nicht angewiesen auf den Posten des Bundeskanzlers. Der käme auch gut über die Runden, wenn er den Posten nicht hätte.

Wohingegen ein Herr Voigt ja im Wirtschaftsleben, er kann ja nichts anderes. Wie die meisten Politiker, die ja völlig inkompetent sind und einfach nur Politiker sind, um endlich mal ein bisschen Geld zu verdienen, denen das Land egal ist. Die halten beide Hände auf. Aber was man sagen kann, ist ja wohl, dass Herr Merz dann der Totengräber der CDU ist.

Herr Merz vollendet das Werk von Angela Merkel. Er ist nicht nur nominell der Nachfolger Angela Merkels. Er ist das auch originär politisch. Und das, was Merkel angefangen hat, Deutschland in den Abgrund reißen, das vollendet Friedrich Merz ohne Rücksicht auf Verluste, ohne nach rechts und links zu schauen und ohne andere Interessen im Blick zu haben, als seine eigenen und eben das Interesse, irgendwie heil und in einem Stück und ohne einen Crash aus seiner Kanzlerschaft herauszukommen. Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass wenn Friedrich Merz in dem Moment, in dem er als Kanzlerkandidat der Union auftrat, gewusst hätte, was für ein Debakel das ist, er das gar nicht gemacht hätte.

Ich weiß nicht, wen die Union dann sonst aufgestellt hätte. Ich habe Verdacht, wen sie das nächste Mal aufgestellt wird. Ich weiß nicht, wen sie sonst aufgestellt hätte. Aber wenn der Merz geahnt hätte, was diese Kanzlerschaft für ihn selbst auch imagemäßig für ein Debakel wirkt und wie er mal dastehen wird in der Geschichte, soweit man sich überhaupt allzu lange an ihn erinnern wird, dann hätte er das wahrscheinlich nicht gemacht.

Aber jetzt ist er ein Getriebener. Er ist drin in der Rolle. Er will aus der Situation das Beste machen. Und er will die Sache aussitzen. Eine Sache, die verloren ist. Eine Sache, die jeden Tag, den er länger macht, Deutschland massiv schadet.

Also der Deutschlandzerstörer, es gibt ja die Verschwörungstheorie, dass das das eigene Getrieben ist. Ziel der Regierung ist, Deutschland zu zerstören, angetrieben von irgendwelchen entfernten Kräften. Also manchmal muss man ja wirklich den Eindruck haben, es ist genau das. Also sie machen jedenfalls nichts, aber auch gar nichts, was das Land irgendwie voranbringt. Und das Einzige, was sie können, ist dauernd die Steuern erhöhen. Zuckersteuer, Tabaksteuer, dieses, jenes. Und dabei haben sie schon Rekordeinnahmen.

Wenn man das mit einer gewissen Distanz nüchtern bilanziert, hat man den Eindruck, ja, die wollen Deutschland zerstören. Aber ich kann aus persönlicher Erfahrung folgendes sagen: Ich bin in Köln, in meiner Zeit, in meiner alten Heimat, bevor ich nach Berlin umgezogen bin, dreimal in den Stadtrat gewählt worden. Ich habe so etwa zehn Jahre lang in den Sitzungen des Stadtrates ständig einem Beigeordneten gegenübergesessen, namens Norbert Walter-Borjans. Ein Name, den damals überregional keiner kannte. Wenn mir seinerzeit einer gesagt hätte, dass diese klassische, graue, farblose Verwaltungsmaus mal SPD-Parteivorsitzender werden würde, Co-Vorsitzender der SPD. Norbert Walter-Borjans. Ein Name, den die meisten Leute ja schon wieder vergessen haben.

Zusammen mit der Esken.

Genau, zusammen mit der Esken. Also ich werde ihn nicht vergessen, weil ich den so lange Jahre gekannt habe. Wenn man sich zehn Jahre lang oder fast zehn Jahre lang ständig gegenübersitzt, dann beobachtet man sich wechselseitig, ob man will oder nicht. Und der eine gewinnt vom anderen einen Eindruck. Ich bin mir bei Norbert Walter-Borjans ziemlich sicher, dass das ein im Grunde risikoaverser, aber eigentlich auch recht umsichtiger Mensch ist, der das Beste will und der auch für die Stadt Köln immer Schadensbegrenzung versucht hat. Und der dann integriert war in eine parteipolitische Camarilla, in der er mitgeschwommen ist so lange, bis sein Mitschwimmen ausreichte, um SPD-Parteivorsitzender zu werden. Und der das nicht einen Tag lang in böse Absicht gemacht hat.

Das konnte man auch merken in der Auseinandersetzung mit uns. Es gab Fälle, da haben wir Anträge als Fraktion pro Köln den Stadtrat eingebracht, die sind abgelehnt worden. Und ein paar Ratssitzungen später haben dann SPD und CDU die Sachen aufgegriffen und sie selber umgesetzt. Und da hat auch Norbert Walter-Borjans, wenn es dann um die Umsetzung dieser Sachen ging, immer mitgemacht. Das ist ein Parteisoldatentum, das sich über Jahrzehnte verfestigt hat und das eben auch solche Charaktere in die erste Reihe gebracht hat, die, und da schlage ich den Bogen von Walter-Borjans zu Friedrich Merz, die vielleicht sonst von der persönlichen Lebenslage wenig miteinander verbindet, aber die eine parteipolitische Qualität auszeichnet, parteipolitische Qualität in Anführungszeichen, nämlich die Fähigkeit zum Aussitzen. Wir müssen uns mal vergegenwärtigen, was Friedrich Merz in der CDU, in der Auseinandersetzung mit Angela Merkel alles ausgesessen hat. Der war in der CDU vollkommen weg vom Fenster, aber er war der scheinbare Anti-Merkel und er galt irgendwie als ein wenig konservativ. Das alleine war am Ende ausreichend, um aus ihm den neuen CDU-Chef zu machen und den Spitzenkandidaten der CDU für das Amt des Bundeskanzlers. Ohne jede Vision, ohne jede Vorstellung davon, wie, mit wem und unter welchen Umständen er die Abwärtsbewegung, in der sich Deutschland ja jetzt seit etlichen Jahren schon befindet, spätestens seit 2015, nach meinem Eindruck schon viel länger, wie er dieser Abwärtsbewegung würde, entgegenwirken wollen. Da hatte er nie ein Konzept, aber das hat er nicht gebraucht, um in der CDU in die allererste Reihe zu kommen. Und genauso ist es auch bei der SPD. Das macht diesen ganzen Apparat weitestgehend reaktionsunfähig und das macht auch klar, dass der Apparat von außen aufgesprengt werden muss, wenn es mit Deutschland nicht noch weiter abwärts gehen soll. Also Quintessenz ist, März bleibt uns erhalten, er tritt nicht zurück und diese ganze verkrustete Regierungsmafia macht die nächsten Jahre noch so weiter wie bisher und mit Deutschland geht’s bergab. Ich befürchte genau das, die halten das alles durch bis zum Schluss.

Die werden erst dann nicht mehr weitermachen, wenn der Wähler sie im engeren Sinne des Wortes aus dem Amt herausträgt. Solange, wie es da nicht auch auf Bundesebene richtig scheppert und die schlicht und ergreifend alle abgewählt werden, wird sich aus dem Apparat heraus überhaupt nichts tun. Es gibt keine politisch-gestalterische Perspektive mehr, sondern nur noch die Perspektive des Aussitzens.

Das sind keine guten Aussichten, Manfred. Nein, das ist furchtbar.

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