Zuletzt aktualisiert 8. September 2026
Heute, am 8. September 2026, sind die Ergebnisse von PISA 2025 veröffentlicht worden. Für Deutschland fallen sie ausgesprochen schlecht aus: In allen drei klassischen Kompetenzbereichen wurden die niedrigsten Werte seit Beginn der deutschen PISA-Teilnahme im Jahr 2000 gemessen. (OECD)
Die wichtigsten Ergebnisse:
| Bereich | PISA 2022 | PISA 2025 | Veränderung | OECD 2025 |
|---|---|---|---|---|
| Naturwissenschaften | 492 | 486 | −6 | 482 |
| Lesen | 480 | 465 | −15 | 461 |
| Mathematik | 475 | 464 | −11 | 463 |
Damit liegt Deutschland inzwischen in allen drei Bereichen nur noch ungefähr im OECD-Durchschnitt. Statistisch ist laut OECD der Rückgang gegenüber 2022 bei Lesen und Mathematik festzustellen; in den Naturwissenschaften liegt das Ergebnis ungefähr auf dem Niveau von 2022. Im langfristigen Vergleich sind jedoch alle drei Werte deutsche Tiefststände.
Besonders auffällig ist der Anteil der Jugendlichen, denen elementare Fähigkeiten fehlen. 34 % der deutschen 15-Jährigen erreichen in Mathematik nicht einmal Kompetenzstufe 2, beim Lesen sind es 32 %, in den Naturwissenschaften 27 %. Damit verfügt ungefähr jeder dritte Jugendliche in Lesen beziehungsweise Mathematik nicht über das von PISA definierte Mindestniveau. Gut jeder Fünfte erreicht dieses Mindestniveau in keinem der drei Bereiche.
Noch deutlicher wird die Entwicklung im Zehnjahresvergleich. Seit 2015 ist der Anteil der leistungsschwachen Schüler in Deutschland um 17 Prozentpunkte in Mathematik, 15 Prozentpunkte beim Lesen und 10 Prozentpunkte in den Naturwissenschaften gestiegen. Die OECD spricht deshalb nicht nur von einer kurzfristigen Nachwirkung der Pandemie, sondern von einem negativen Trend, der sich bereits über das vergangene Jahrzehnt erstreckt.
Besonders problematisch: soziale Herkunft
Ein sehr auffälliger Befund betrifft die Bildungsungleichheit. In den Naturwissenschaften liegen Jugendliche aus dem sozioökonomisch oberen Viertel in Deutschland durchschnittlich 125 PISA-Punkte vor Jugendlichen aus dem unteren Viertel. Im OECD-Durchschnitt beträgt diese Differenz lediglich 85 Punkte.
Außerdem hat sich diese Kluft in Deutschland seit 2015 vergrößert, während sie sich im OECD-Durchschnitt verkleinert hat. Der sozioökonomische Status erklärt in Deutschland rund 19 % der Leistungsunterschiede, gegenüber nur 12 % im OECD-Durchschnitt.
Interessant ist dabei eine Differenzierung des deutschen Studienleiters Samuel Greiff: Er warnt davor, die Entwicklung einfach auf Migration zurückzuführen. Entscheidend sei vielmehr die soziale Lage. Nach seiner Darstellung verläuft die besonders bedeutsame Trennlinie zwischen sozial privilegierten und sozial benachteiligten Jugendlichen.
Deutschland international
Deutschland ist damit keineswegs am Ende der internationalen Rangliste. Das Problem besteht vielmehr darin, dass Deutschland von einem früher überdurchschnittlichen Niveau auf den OECD-Durchschnitt zurückgefallen ist.
Nach den heute veröffentlichten Angaben schneiden 14 OECD-Staaten signifikant besser als Deutschland ab. Dazu gehören unter anderem Estland, Kanada, die Schweiz und Österreich. Frankreich und die Niederlande bewegen sich ungefähr auf deutschem Niveau.
Es gibt weiterhin eine relativ starke deutsche Leistungsspitze. In Naturwissenschaften erreichen beispielsweise 9 % der deutschen Jugendlichen die höchsten Kompetenzstufen 5 oder 6 gegenüber 7 % im OECD-Durchschnitt. In Mathematik sind es 8 %, beim Lesen 7 %. Das Hauptproblem ist also insbesondere die stark angewachsene Gruppe am unteren Ende der Leistungsverteilung.
Erstmals interessante Daten zu KI
PISA 2025 enthält außerdem neue Befunde über KI-Nutzung in der Schule. In Deutschland geben 50 % der 15-Jährigen an, mindestens einmal pro Woche KI-Chatbots zum Lernen einzusetzen; OECD-weit sind es 46 %.
Unter anderem verwenden deutsche Schüler KI
- zu 36 % zum Zusammenfassen von Texten,
- zu 36 % zum Entwerfen von Texten für schriftliche Aufgaben und
- zu 31 % für eine erste Recherche zu einem neuen Thema.
Nur 9 % nutzen KI-Chatbots für die abgefragten schulischen Aufgaben nie oder fast nie.
Ein weiterer bemerkenswerter Befund: 31 % der deutschen Schüler berichten, mehrmals monatlich oder häufiger Opfer mindestens einer Form von Mobbing zu sein. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 20 %.
Reaktionen heute
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) bezeichnete die Ergebnisse als „besorgniserregend“, allerdings nicht als überraschend. Besonders problematisch sei, dass Deutschland sowohl bei leistungsschwachen als auch bei besonders leistungsstarken Schülern Potenzial verschenke. Die bayerische Kultusministerin und Präsidentin der Bildungsministerkonferenz Anna Stolz sprach von einem „desaströsen, aber nicht überraschenden Ergebnis“.
Bund und Länder verweisen unter anderem auf das Startchancen-Programm, geplante Sprachtests im Kindergarten, Verbesserungen des Grundschulunterrichts und zusätzliche Unterstützung für Schulen in sozial schwierigen Gebieten.
Unterm Strich ist der heutige Befund deshalb noch gravierender als „Deutschland hat bei PISA ein paar Punkte verloren“: Die deutschen Leistungen sind seit etwa zehn Jahren strukturell rückläufig, rund ein Drittel der 15-Jährigen verfehlt inzwischen in Mathematik bzw. Lesen das Mindestniveau, und gleichzeitig ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg in Deutschland ungewöhnlich stark.
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