Zuletzt aktualisiert 12. August 2026

Im Herbst könnte es die CDU zerreißen, berichtet die WELT am 11.8.26. Aus einer Partei würden dann zwei. In Berlin klingt das nach Weltuntergang. Dabei macht die Natur seit Jahrmillionen genau das vor. Aus eins wird zwei. Und das ist gut so.

Flügel finden wir nicht nur bei Hühnern

Flügel finden wir nicht nur bei Hühnern, Spatzen, Tauben und Adlern. Auch Parteien besitzen welche. Verliert ein Vogel den linken oder den rechten Antriebsmechanismus, ist er gezwungen, zu Fuß zu gehen. Die daraus entstehende Gefahr ist beträchtlich. Denn rote Füchse und blaue Wölfe gehen ebenfalls zu Fuß und trachten nach einer warmen Mahlzeit.

Da sage noch einer, Parteien verhielten sich anders als das Federvieh. Viel Geflatter, Staub aufwirbeln und schon ist die Flugunfähigkeit erreicht. Am lebenden Objekt beobachten wir gerade die früheren christlichen Friedenstäubchen. Die einen wollen einen friedlichen Palmzweig im Schnabel tragen, die anderen wollen sich zum kriegstüchtigen Raubvogel mausern.

Flügel in die Hühnersuppe

Bekanntlich lässt die sparsame Hausfrau nichts verkommen. Sie kocht Hals, Füße und gerade auch die Flügel in der Hühnersuppe mit. Obwohl nicht viel dran ist, bereichern sie doch das Geschmackserlebnis, zumal wenn auch geschmacksneutrale Suppennudeln eingemischt werden.

Bei der CDU-Hühnerbraterei

Bestellt ein Kunde zwanzig Chicken-Wings, vulgo Hühnerflügelchen, mit der genauen Anweisung, zwölf rechte und acht linke knusprige Flügelchen einzupacken, steht die Frau am Schalter vor demselben unlösbaren Rätsel wie der gemeine Wähler. Die anatomischen Kenntnisse reichen kaum aus, um diese Trennung kundengerecht vorzunehmen.

Ähnlich verhält es sich bei den Superchristlichen. Dabei weiß dort, im Gegensatz zum biblischen Ratschlag, die Rechte sehr genau, was die Linke tut. Um ein Fliegen im Kreise, ob rechts oder links herum, zu vermeiden, wird aus einem geistigen Überflieger eben deren zwei.

Zellteilung, die Natur machte es vor

Zellen, ob im linken Fuß oder im Oberstübchen, überleben deshalb, weil sie sich kontrolliert teilen. Diese Methode hat sich in der Natur seit Jahrmillionen bewährt. Aus eins wird zwei. Nicht mehr funktionierende Zellen gehen den Weg allen Vergänglichen.

Politische Zellteilung ist in Europa längst Normalität

In Italien ging 1994 sogar die mächtige Democrazia Cristiana unter. Der große christdemokratische Vogel zerfiel in mehrere Schwärme und machte Platz für neue Kräfte. Später schlüpfte aus Berlusconis rechtem Lager Giorgia Melonis Fratelli d’Italia und übernahm schließlich den ganzen Hühnerhof.

In Deutschland flatterte Sahra Wagenknecht aus der Linken davon und gründete das BSW. In England verließ Nigel Farage den UKIP-Hühnerstall. Aus der Brexit Party wurde später Reform UK. In Frankreich ist der Rassemblement National mit Jordan Bardella und Marine Le Pen längst zur stärksten einzelnen Oppositionskraft geworden.

Die Lehre ist einfach: Alte Nester werden verlassen, neue Parteien schlüpfen, Flügel flattern davon.
Und siehe da, Europa existiert noch.

Nur wenn sich ausgerechnet die CDU teilen wird, wird so getan, als müsse anschließend das Technische Hilfswerk anrücken. Zwei

CDU-Täubchen fliegen jedoch leichter

Dabei könnte die Teilung sogar Vorteile haben. Eines der zwei neuen CDU-Täubchen könnte die inzwischen antike Brandmauer leichter überfliegen als der heutige schwerfällige Parteivogel. Das eine flattert links herum, das andere rechts herum. Im Schnabel tragen beide ein Briefchen, dem Wähler zum Gruß.

CDU Eins könnte weiterhin mit Grünen und Linken gemeinsam auf der Stange sitzen. CDU Zwei würde rechtsherum flattern und nachsehen, ob hinter der Brandmauer doch Brüder im Geiste warten.

Der Wähler wüsste endlich, welchen Vogel er vor sich hat.

Allerdings sollten sich die beiden Täubchen nicht zu sicher fühlen. Unten steht der nach Jahren politischer Kost nach Rache dürstende Wähler. Gefällt ihm keines der Briefchen, könnten aus den beiden Friedenstäubchen schneller gebackene Täubchen werden, als im Konrad-Adenauer-Haus jemand „Brandmauer“ sagen kann.

Die Alliierten gingen nach 1945 nach einem ähnlichen Muster vor. Deutschland gefiel ihnen offenbar so gut, dass 1949 gleich zwei davon haben wollten.

CDU Eins und CDU Zwei könnten uns künftig ebenfalls erfreuen. Dann weiß man endlich, was man hat. So wie bei Persil.

Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p

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