Zuletzt aktualisiert 29. August 2026
Die Täter behaupten, Daten aus knapp 80.000 Ordnungswidrigkeitsverfahren, mehr als 46.500 Verträge, Justizunterlagen, Notfallplänen und Tausenden Zugangsdaten erbeutet zu haben. Diese Informationen aus dem Innersten einer Verwaltung, bei der vieles über Bürger, Unternehmen und Behörden gespeichert ist, sind Sprengstoff. Man mag sich nicht ausdenken, wenn diese Daten veröffentlicht würden.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner bestätigte am 28. August 2026 nach einer Sondersitzung des Senats: Die Hauptstadt wird nach dem Einbruch in ihr Datennetz erpresst. Die Täter verlangen nach Medienberichten rund zwei Millionen Euro. Berlin ist empört, dabei braucht man sich jedoch nicht zu wundern, wenn Haustür und Tresore sperrangelweit offen stehen. Erbeutet wurden nach Angaben der Täter sechs Terabyte Daten. Das entspricht, auf die Berliner Behördenwelt umgerechnet, ungefähr 42.312 prall gefüllten Aktenordnern. Erbeutet mit einem Saugrüssel aus dem Internet. Die Täter waren offenbar mindestens eine Woche in den Behödendatenbanken unterwegs, bevor Berlin den Einbruch überhaupt bemerkte. Als Beleg veröffentlichten die Einbrecher sogar Kostproben ihrer Beute, darunter Unterlagen mit dem Vermerk „Vertrauliche Personalsache“.
Berlin besitzt sogar einen eigenen Landesbevollmächtigten für Informationssicherheit. Seine Aufgabe ist ausgerechnet die Sicherheit jener Informationen, die nun in fremden Händen liegen. Da darf die Frage erlaubt sein: Was macht der Mann eigentlich hauptberuflich? Seit Jahren werden Sicherheitsmängel, veraltete Programme und zersplitterte Zuständigkeiten kritisiert. Viele der angemahnten Schutzmaßnahmen hätten einen Bruchteil dessen gekostet, was nun allein als Lösegeld verlangt wird. Für Genderprojekte, Beauftragte und Christopher-Steet-Day findet sich Geld. Nur an die Computer ein ordentliches Schloss anzubringen, dafür war man offenbar unfähig. In Berlin heißt das schlicht unwillig.
Zwei Millionen Euro Lösegeld
Die verlangten zwei Millionen Euro Lösegeld entsprechen knapp 50 Cent pro Berliner. Also lieber das Lösegeld zahlen, als den Schaden noch anschwellen zu lassen. Beim Umgang mit Geld war die Hauptstadt ohnehin nie besonders zurückhaltend. 2025 erhielt Berlin wieder 4,2 Milliarden Euro aus dem Finanzkraftausgleich. Bayern, Baden-Württemberg und Hessen gehören zu den Ländern, die Milliarden einzahlen. Wer mit dem Geld anderer Leute arbeitet, entwickelt offenbar eine gewisse Gelassenheit. Geld spielt in Berlin keine Rolex.
Berlin möchte seine Verwaltung modernisieren. Die alten Aktenordner müssen nun irgendwie in die Computer hineingepresst werden. Man muss dabei nur eins und eins zusammenzählen können. Papier, Postwege, Fax, alte Softwareprogramme und Zuständigkeitswirrwarr gehören noch immer zum Behördenalltag. Draußen schreiben wir 2026. Hinter manchen Amtstüren befindet sich die Verwaltung gefühlt noch auf dem technischen Stand von 1980.
In Berliner Behörden laufen noch Windows-Server aus dem Jahr 2008, längst ohne reguläre Sicherheitsupdates. Auch die Umstellung auf Windows 11 hinkt hinterher. Wer seine digitalen Türen so alt werden lässt, muss sich über Einbrecher nicht wundern.
Für Berlin als Stadt der Firmengründer ist das besonders peinlich. Junge Unternehmen sollen hier entstehen, wachsen und internationale Geschäftspartner gewinnen. Denen wird der Zustand ihrer Hauptstadt nun gratis aufs Butterbrot geschmiert. Ein Berliner Unternehmer darf seinem Geschäftspartner in Zürich, London oder New York erklären, dass Berlin von digitaler Zukunft spricht, digitale Einbrecher aber tagelang nicht bemerkte.
Die Beute im Internet veröffentlichen
Kai Wegner erklärt, Berlin lasse sich nicht erpressen. Das klingt entschlossen. Nur interessiert das die Erpresser herzlich wenig. Sie drohen damit, ihre Beute nach Ablauf der Frist im Internet zu veröffentlichen. Dann könnten die gestohlenen Unterlagen nach und nach öffentlicht werden. Wegner kann sich sträuben, wie er will. Die Blamage hat Berlin bereits. Wird nicht gezahlt, droht weiterer Schaden. Wird gezahlt, gibt es keinerlei Garantie, dass die Daten verschwinden.
Die Täter werden ihre Kopien schließlich kaum feierlich auf einem Scheiterhaufen verbrennen. Sie können sie behalten, verkaufen, weitergeben oder später erneut als Druckmittel einsetzen. Auch wenn Wegner bis zur Wahl nur noch 22 Tage bleiben, dürfte diese Hinterlassenschaft länger halten.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p
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