Zuletzt aktualisiert 14. Oktober 2026
Auch wenn es in der Öffentlichkeit anders dargestellt wird, Bargeld ist in akuter Gefahr. Was hinter den Kulissen wirklich abläuft, dazu diese Dokumentation. Die Doku erstellte von Hansjörg Stützle von der Initiative Bargelderhalt, mit der dringende Bitte, dieses Video weiter zu verbreiten!
Neo24 AI beantwortet dazu gerne Ihre Nachfragen:
Ask me anything!
Möchten Sie ein solches Dialogfenster von Neo24 AI in Ihre Internetseite oder in Ihren Onlineshop einbauen? Dann klicken Sie bitte hier und laden kostenlos die benötigte App für die Einbindung herunter.
Wird das Bargeld in Deutschland verdrängt? Zahlen, Entwicklungen und die Initiative von Hansjörg Stützle
Die Verdrängung des Bargelds in Deutschland ist statistisch eindeutig nachweisbar. Allerdings muss man zwischen einem Rückgang der Bargeldnutzung, einer Einschränkung der Barzahlungsmöglichkeiten und einer politisch beabsichtigten Abschaffung des Bargelds unterscheiden.
Während die ersten beiden Entwicklungen gut dokumentiert sind, gibt es keinen belastbaren Nachweis dafür, dass die Bundesregierung oder die Europäische Zentralbank die vollständige Abschaffung des Bargelds beschlossen hätten.
Hansjörg Stützle gehört zu den bekanntesten deutschen Aktivisten, die vor einer schleichenden Verdrängung des Bargelds warnen. Seine Initiative hat inzwischen auch auf europäischer Ebene Aufmerksamkeit erlangt.
1. Wie stark ist die Bargeldnutzung tatsächlich zurückgegangen?
Die Deutsche Bundesbank untersucht regelmäßig, wie die Menschen in Deutschland bezahlen. Ihre jüngste Studie zum Zahlungsverhalten 2025 zeigt einen historischen Wendepunkt: Erstmals wurden mehr als die Hälfte aller erfassten Zahlungen bargeldlos abgewickelt.
Anteil der Bargeldzahlungen an allen Zahlungsvorgängen
Quelle: Deutsche Bundesbank, Zahlungsverhaltensstudien. Anteil nach Anzahl der Zahlungen, nicht nach Umsatz.
Die Entwicklung ist bemerkenswert:
-
2017 wurden noch etwa drei Viertel aller Zahlungen bar abgewickelt.
-
2023 lag der Bargeldanteil bei 51 Prozent.
-
2025 waren es nur noch 45 Prozent.
-
Mobile Bezahlverfahren erreichten 2025 bereits 10 Prozent aller Zahlungen.
Damit hat das Bargeld innerhalb von acht Jahren rund 29 Prozentpunkte seines Anteils an den Zahlungsvorgängen verloren.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Menschen entsprechend weniger Bargeld besitzen oder dass die Zahl der ausgegebenen Banknoten im gleichen Umfang zurückgegangen wäre. Bargeld wird auch zur Wertaufbewahrung verwendet.
2. Welche konkreten Anzeichen sprechen für eine Verdrängung?
Rückgang der Geldautomaten und Bankfilialen
Immer mehr Bankgeschäfte werden online erledigt. Banken reduzieren deshalb ihre Filialnetze und teilweise auch die Bargeldversorgung.
Das hat eine wichtige Nebenwirkung: Wer weiter bar bezahlen möchte, muss unter Umständen längere Wege zum Geldautomaten zurücklegen.
Schon 2023 bezeichneten 15 Prozent der Befragten den Zugang zu Bargeld als schwierig. 2021 waren es erst 6 Prozent.
Einschränkungen bei der Bargeldannahme
Besonders sichtbar wird die Entwicklung bei Verkehrsbetrieben, Automaten, Veranstaltungen und Selbstbedienungskassen.
Die Bundesbank stellte für 2025 fest, dass bei 94 Prozent der erfassten Einkäufe vor Ort Barzahlung möglich war. Bargeldloses Bezahlen war bei 86 Prozent möglich.
Das zeigt zweierlei: Bargeld wird weiterhin breit akzeptiert, aber es gibt bereits Bereiche, in denen Menschen nicht mehr frei zwischen den Zahlungsmethoden wählen können.
Ein sich selbst verstärkender Prozess
Die Bundesbank beschreibt ein wirtschaftliches Problem, das für die Zukunft des Bargelds besonders wichtig ist:
Weniger Menschen bezahlen bar
Bargeldversorgung wird teurer
Banken und Händler reduzieren Bargeldangebote
Barzahlung wird unpraktischer
Der Kreislauf verstärkt den Rückgang der Bargeldnutzung.
Diese Entwicklung wird in der Bundesbank-Studie Bargeld der Zukunft ausdrücklich thematisiert. In zwei von drei untersuchten Szenarien für das Jahr 2037 wäre die Wahlfreiheit zwischen Bargeld und elektronischen Zahlungsmitteln praktisch nicht mehr gewährleistet.
Wichtig ist: Das sind Szenarien, keine sicheren Vorhersagen.
3. Wollen die Deutschen das Bargeld überhaupt behalten?
Hier ergibt sich ein interessanter Widerspruch zwischen dem tatsächlichen Zahlungsverhalten und den Wünschen der Bevölkerung.
45 %
Barzahlungen 2025
Anteil aller erfassten Zahlungsvorgänge
80 %
Wollen Barzahlung erhalten
Halten die weitere Möglichkeit zur Barzahlung für wichtig
Die Menschen bezahlen also zunehmend elektronisch, wollen aber mehrheitlich die Möglichkeit behalten, Bargeld zu verwenden.
Das ist für die politische Diskussion wesentlich: Die freiwillige Entscheidung für Kartenzahlung ist nicht gleichbedeutend mit dem Wunsch, Bargeld abzuschaffen.
4. Wer ist Hansjörg Stützle?
Hansjörg Stützle
Jahrgang 1970 · Uhldingen-Mühlhofen, Bodensee
Stützle ist gelernter Versicherungskaufmann, Finanzcoach, Buchautor und Bargeldaktivist. Er war über viele Jahre in der finanziellen Sanierung kleiner und mittelständischer Unternehmen tätig und beschäftigte sich als Schuldenberater mit dem Umgang von Menschen mit Geld.
Nach eigenen Angaben setzt er sich seit etwa zehn Jahren organisiert für den Bargelderhalt ein. Er hält Vorträge, tritt in Medien auf und versucht, politische Entscheidungsträger für das Thema zu gewinnen.
2019 veröffentlichte er das Buch Das Bargeld-Komplott – Bargeldverbot auf Raten, bezahlt mit unserer Freiheit.
Darin vertritt er die These, dass Bargeld nicht nur aufgrund veränderter Verbraucherwünsche an Bedeutung verliert, sondern auch durch wirtschaftliche und politische Interessen zurückgedrängt wird.
Seine zentrale Argumentation lautet: Wer ausschließlich elektronisch bezahlen kann, wird abhängig von Banken, Zahlungsdienstleistern und einer funktionierenden technischen Infrastruktur. Außerdem können elektronische Zahlungen Daten über das Verhalten der Bürger erzeugen.
5. Was fordert die Initiative Bargelderhalt?
Die von Stützle initiierte Bewegung setzt sich vor allem dafür ein, die Nutzung von Bargeld gesetzlich und praktisch abzusichern.
Die Forderungen gehen über eine bloße Beibehaltung von Banknoten und Münzen hinaus.
| Forderung | Inhalt |
|---|---|
| Bargeldannahme | Barzahlung soll grundsätzlich an allen physischen Verkaufsstellen und bei staatlichen Einrichtungen möglich sein. |
| Öffentlicher Verkehr | Bus- und Bahnfahrkarten sollen weiterhin mit Bargeld erhältlich sein. |
| Geldautomaten | In Gemeinden ab 1.000 Einwohnern soll eine Möglichkeit zur Bargeldversorgung bestehen. |
| Erreichbarkeit | 90 % der Bevölkerung sollen innerhalb von zwei Kilometern eine Bargeldquelle erreichen können, in Städten innerhalb eines Kilometers. |
| Gleichbehandlung | Bargeldzahler sollen gegenüber Nutzern elektronischer Zahlungsmittel nicht benachteiligt werden. |
| Bargeldversorgung des Handels | Geschäfte sollen weiterhin Wechselgeld beschaffen und Bargeldeinnahmen einzahlen können. |
Diese Forderungen sind im Petitionstext dokumentiert.
Die Initiative ist über ihre Internetseite bargelderhalt.eu erreichbar.
Wie erfolgreich ist die Initiative?
Nach Angaben der Initiative, Mai 2026
350.000
Unterschriften für den Bargelderhalt
Am 20. Mai 2026 brachten Stützle und der Journalist Hakon von Holst nach Angaben der Initiative rund 350.000 gesammelte Unterschriften in 18 Kisten zum Europäischen Parlament nach Straßburg.
Dort warben sie bei Abgeordneten verschiedener Parteien für eine Stärkung der Bargeldrechte. Außerdem legten sie 13 Änderungsvorschläge zur geplanten EU-Bargeldverordnung vor.
Der Branchenverband der deutschen Geld- und Wertdienste (BDGW) hat die Initiative öffentlich unterstützt.
Die Unterschriftenzahl stammt aus Angaben der Initiative; eine unabhängige Prüfung aller Unterschriften liegt mir nicht vor.
6. Wie sind die Aussagen Stützles einzuordnen?
Hier sollte zwischen nachweisbaren Entwicklungen und weitergehenden politischen Schlussfolgerungen unterschieden werden.
| Aussage | Einordnung |
|---|---|
| Bargeld verliert im Zahlungsverkehr an Bedeutung. | Durch Bundesbankdaten eindeutig belegt. |
| Die Bargeldversorgung könnte sich weiter verschlechtern. | Durch die Bundesbank als reales strukturelles Risiko beschrieben. |
| Elektronische Zahlungen können die Nachvollziehbarkeit persönlicher Ausgaben erhöhen. | Technisch zutreffend; das konkrete Ausmaß hängt vom Zahlungsweg und Datenschutz ab. |
| Unternehmen haben wirtschaftliche Interessen an digitalen Zahlungen. | Zutreffend, aber nicht alleiniger Grund für deren zunehmende Nutzung. |
| Die Einführung des digitalen Euro soll Bargeld abschaffen. | Durch die offiziellen Planungen nicht belegt. EZB und EU erklären ausdrücklich das Gegenteil. |
| Hinter dem Bargeldrückgang steht eine koordinierte Abschaffungsstrategie. | Eine solche umfassende Strategie ist nicht nachgewiesen. |
Die Stärke der Argumentation Stützles liegt darin, dass er auf einen tatsächlichen Widerspruch aufmerksam macht: Bargeld kann formal gesetzliches Zahlungsmittel bleiben und trotzdem im Alltag zunehmend unbrauchbar werden.
Eine kritische Frage betrifft dagegen die Ursachen dieser Entwicklung. Neben wirtschaftlichen Interessen spielen auch Verbraucherwünsche eine wichtige Rolle. Viele Menschen nutzen digitale Zahlungsmittel freiwillig, weil sie diese als bequem und schnell empfinden.
7. Welche Rolle spielt der digitale Euro?
Der geplante digitale Euro ist ein weiterer Schwerpunkt der Initiative.
Er soll eine elektronische Form von Zentralbankgeld werden, die Bürger und Unternehmen im Euroraum nutzen können.
Die Europäische Zentralbank und die EU betonen ausdrücklich, dass der digitale Euro das Bargeld ergänzen und nicht ersetzen soll.
Stützle sieht dennoch ein Problem: Wenn der digitale Euro künftig umfassend akzeptiert werden muss, Bargeld aber leichter ausgeschlossen werden kann, könnte eine rechtliche Ungleichbehandlung entstehen.
Seine Initiative fordert deshalb, dass die Annahme von Bargeld mindestens ebenso wirksam geschützt wird.
Das ist keine rein theoretische Debatte. Die EU arbeitet tatsächlich an zwei miteinander verbundenen Rechtsakten: einem zum digitalen Euro und einem zur Stärkung des Status von Euro-Banknoten und -Münzen als gesetzliches Zahlungsmittel.
Nach einer Mitteilung der Initiative begannen im Juli 2026 die Trilogverhandlungen über den Bargeldschutz. Den abschließenden Stand dieser Verhandlungen konnte ich nicht verifizieren.
8. Fazit
Drei Feststellungen lassen sich aus den verfügbaren Informationen ableiten:
Erstens ist der Rückgang der Bargeldnutzung in Deutschland eine messbare Entwicklung. Das zeigen die Daten der Bundesbank über viele Jahre hinweg.
Zweitens ist die Gefahr einer schleichenden Einschränkung der Bargeldnutzung nicht bloß eine Behauptung von Aktivisten. Die Bundesbank selbst untersucht dieses Risiko und sieht Handlungsbedarf, um Wahlfreiheit langfristig zu gewährleisten.
Drittens verbindet Hansjörg Stützle diese nachweisbaren Entwicklungen mit einer weitergehenden Kritik an wirtschaftlichen und politischen Machtverhältnissen. Einige seiner Befürchtungen betreffen reale Risiken; andere, insbesondere die Annahme einer gezielt betriebenen vollständigen Bargeldabschaffung, sind umstritten.
Die entscheidende Frage ist daher weniger, ob künftig mehr Menschen elektronisch bezahlen werden. Das ist bereits der Fall. Entscheidend ist, ob Menschen, die weiterhin Bargeld verwenden möchten, dazu auch in zehn oder zwanzig Jahren noch eine praktikable Möglichkeit haben werden.
Gerade in dieser Frage überschneiden sich die Anliegen der Initiative Bargelderhalt mit den ausdrücklich formulierten Zielen der Deutschen Bundesbank.
Als besonders aufschlussreiche weiterführende Lektüre empfehle ich die Bundesbank-Studie zur Zukunft des Bargelds und die Petition von Hansjörg Stützle. Beide erlauben einen unmittelbaren Vergleich zwischen der institutionellen Analyse und den politischen Forderungen der Initiative.
