Zuletzt aktualisiert 22. Oktober 2026
Knallt es in Deutschland wie in Paris am 31. Oktober? Diverse Vereinigungen rufen zu Protesten auf. Die Ankündigungen in Social Media sind verstörend! Es wird teilweise offen zu Plünderungen und Gewalt aufgerufen.
Für Samstag, den 31. Oktober 2026, mobilisiert ein Jugendbündnis unter dem Slogan „Gen Z regelt das“ (auch firmierend als „Gen Z steht auf“) bundesweit zu Protesten – laut der Initiative ab 14 Uhr, in mehr als 20 Städten. Auf den Listen stehen Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt, in Frankfurt ist eine „Gen-Z-Demo“ beim Ordnungsamt angemeldet.
Die Gewerkschaft der Polizei in Berlin spricht von einer „Großdemolage“, auf die man sich vorbereite. Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) warnte vor einem „Gewaltpotenzial“ und kündigte an: „Unsere Polizei wird stark aufgestellt sein und konsequent handeln.“ Hintergrund ist die Mobilisierung nach den Ausschreitungen bei Schülerprotesten in Frankreich.
Besonders im Blick sind die Social-Media-Kanäle: Auf Telegram, Instagram, Reddit und X mischen sich immer extremere Tön“. Namentlich genannt werden Slogans wie „Apokalypse Vibez“ sowie Aufrufe, die indirekt zu Bränden und Straßenschlachten führen sollen. In einschlägigen Gruppen wird Gewalt als Stilmittel inszeniert. Bei TikTok gibt es Aufnahmen, in denen einzelne Personen ankündigen, was sie sich im Apple Store am Kudamm oder im KaDeWe am Sonntag, den 31. Oktober rausholen werden.
Michael Mross: Was passiert am 31. Oktober? Werden dann Berlin und andere Großstädte brennen? Die Bilder, die wir in den sozialen Medien sehen, verheißen nichts Gutes.
Ich möchte jetzt die Situation mit Manfred Rouhs besprechen, Publizist und Chefredakteur von Signal Online. Manfred, was erwartet uns da?
Manfred Rouhs: Auf jeden Fall nichts Gutes. Frankreich ist ein Menetekel. Von Frankreich sind die Unruhen und Plünderungen bereits auf Italien und Spanien übergesprungen, mit unterschiedlichem Erfolg.
Irgendetwas wird am 31. Oktober und vielleicht auch am Tag danach mit Sicherheit in Deutschland passieren. Wir alle können nicht absehen, was genau geschehen wird.
Es mobilisiert die radikale linke Szene. Die mag in Deutschland etwas kleiner sein als in Frankreich, aber sie ist vorhanden und hat mit Anschlägen in der Vergangenheit ihre Gewaltbereitschaft unter Beweis gestellt.
Sie stützt sich auf ein breit gewordenes migrantisches Umfeld, und wir wissen nicht, wie viel Unterstützung sie möglicherweise noch aus dem Ausland bekommt.
Michael Mross: Es sind ja noch ein paar Tage bis dahin. Es sieht so aus, als könnten diese Aktionen auch Unterstützung aus dem Ausland bekommen.
Ich habe bei TikTok und Instagram Videos gesehen, in denen sich einzelne Leute schon vor den Apple Store oder vor das KaDeWe stellen, dort hineingehen und anschließend online erzählen, was sie mitnehmen wollen. Das dürfte eine neue Dimension werden.
Manfred Rouhs: Das sieht so aus. In Frankreich gibt es Flohmärkte, auf denen gestohlene Luxusgüter verkauft werden. Teilweise wurden diese sogar bei eBay angeboten, ausdrücklich mit dem Hinweis darauf, dass es sich um Plündergut handelt.
Was da passiert, ist erschreckend und erreicht eine bislang nicht dagewesene Breite.
Schwach ist in Deutschland auch die mögliche Reaktion der Bundesregierung. Ich hoffe, dass der Sicherheitsapparat dem politischen Betrieb hier ein wenig voraus ist.
Aber ich sehe ein grundsätzliches Problem bei den Sicherheitskräften. Die können neuralgische Punkte sicherlich schützen, nachdem sie die Erfahrungen aus Frankreich und zum Teil auch aus Italien und Spanien vor Augen haben.
Der Vorteil der Gegenseite besteht aber darin, dass sie sich aussuchen kann, wo sie zuschlägt. Falls das beispielsweise in kleineren Orten passiert oder an Orten und zu Uhrzeiten, zu denen die Polizei nicht mit solchen Ereignissen rechnet, haben die Angreifer den Vorteil, ihre Kräfte überraschend konzentrieren zu können.
Dann kann es Plünderungen geben, wie wir sie in Paris bei den Galeries Lafayette gesehen haben. Vielleicht nicht gerade im KaDeWe. Ich hoffe jedenfalls, dass das KaDeWe verteidigt werden kann.
Das steht natürlich noch nicht sicher fest. Aber ich will hoffen, dass die Polizei das zumindest schafft. Es würde mich sehr enttäuschen, wenn sie selbst einen solchen neuralgischen Punkt nicht mehr verteidigen könnte.
Das schützt allerdings nicht die kleineren Geschäfte.
Auch die Galeries Lafayette an den Champs-Élysées wurden ja nicht widerstandslos aufgegeben. Die Sicherheitskräfte werden wahrscheinlich versucht haben, dieses berühmte Kaufhaus zu verteidigen.
Ähnliche Szenen könnten uns auch in Berlin drohen.
Da stand eine Handvoll Gendarmen. Die haben ihr Bestes getan, aber am Ende haben sie nicht von der Schusswaffe Gebrauch gemacht.
Ich habe heute ein Video hochgeladen, das aus Frankreich stammt und Szenen aus den Banlieues zeigt. Darin sieht man, wie französische Jugendliche, von denen es dann heißt, sie seien Schüler, die protestieren würden, mit Schusswaffen hantieren.
Sie schießen mit scharfen Waffen auf ein Gebäude, in dem sich allerdings Gott sei Dank keine Menschen befunden haben. Offenbar nicht, um jemanden zu treffen, sondern um im Internet ihre Macht zu demonstrieren.
Wenn von diesem Gewaltpotenzial auch nur ein kleiner Teil nach Deutschland kommt, könnte er hier immensen Schaden anrichten. Zumal er auf eine Polizei treffen würde, die nach meiner Einschätzung auf ein solches Gewaltpotenzial, wie es sich dort entwickelt hat, nicht vorbereitet ist.
Michael Mross: Wir sehen das ja auch immer wieder hier in Berlin am 1. Mai. In den letzten Jahren war es relativ ruhig, aber es gab auch schon Jahre, in denen es ordentlich gescheppert hat, überall Brände gelegt wurden und brandschatzende Horden durch die Straßen gelaufen sind.
Auch hier in Berlin hat man das damals nicht unter Kontrolle bekommen.
Wenn wir jetzt die zehnfache oder gar hundertfache Zahl an Angreifern hätten, dann wäre Berlin doch verloren.
Manfred Rouhs: Das Risiko ist gewaltig.
In Berlin kommt noch die relative politische Destabilisierung durch das Ergebnis der letzten Berlin-Wahlen hinzu.
Die hiesige Polizei kann nicht davon ausgehen, dass der neue Innensenator von Berlin in jedem Fall hinter ihr steht, ganz gleich, was passiert, und dass es keine Disziplinarverfahren gibt, wenn beispielsweise Beamte gezwungen werden, von der Schusswaffe Gebrauch zu machen.
Also werden sie eher versuchen auszuweichen. Das macht die Situation noch schlimmer.
Michael Mross: Abzuhauen.
Manfred Rouhs: Ja, im Zweifelsfall abzuhauen, wie es die französische Polizei an vielen Orten auch tun musste, um ihr nacktes Leben zu retten, weil die Beamten hilflos und machtlos waren.
Michael Mross: Hier steht ja nicht nur Berlin zur Debatte, sondern auch Frankfurt, Hamburg und Köln.
Das sind natürlich auch Orte, an denen viele Linke leben und die einen hohen migrantischen Bevölkerungsanteil haben, ohne dass ich diesen Menschen jetzt etwas in die Schuhe schieben möchte.
Aber was wir in Paris und anderen Teilen Frankreichs gesehen haben, waren ja keine Schülerproteste.
Ich finde es bemerkenswert, wie die Tagesschau, das heute-journal und auch der Spiegel das alles glattbügeln und unter den Teppich kehren. Die entscheidenden Szenen haben sie nicht gezeigt, obwohl diese inzwischen überall in den sozialen Medien zirkulieren.
Manfred Rouhs: Kein Wunder, dass die etablierten Medien an Reichweite verlieren.
Wenn man dort nur langweilige und falsche Ausschnitte der Realität präsentiert bekommt, während man die wirklich spannenden Dinge in den sozialen Netzwerken findet, dann bezieht man seine Informationen eben von dort und nicht mehr von ARD und ZDF.
Das ist insofern ein eigentlich politisch erfreulicher Entwöhnungsprozess, der da stattfindet.
Das bedeutet aber natürlich auch, dass die öffentliche Debatte weiter zerbröselt und die Erfahrungshorizonte der Menschen immer weiter auseinandergehen.
Es gibt noch eine ältere Generation, die an diese Scheinwelt glaubt, die ihr die Massenmedien vorgaukeln.
Was heilsam werden könnte, wäre an einigen Orten der Schock, der entsteht, wenn diese Menschen mit einer ganz anderen Realität konfrontiert werden.
Besondere Gefahrenpotenziale sehe ich hier im Ruhrgebiet und auch in Hamburg.
Berlin steht im Moment ein wenig im Fokus, und ich könnte mir vorstellen, dass die Polizei hier noch versuchen wird, das Schlimmste zu verhüten.
Das Ruhrgebiet ist viel zu groß, viel zu heterogen und viel zu unübersichtlich, als dass dort dasselbe gelingen könnte.
Und in Hamburg haben wir ein linkes Gewaltpotenzial in einer unguten Gemengelage mit einem jungen, dynamischen, größtenteils arabisch geprägten migrantischen Gewaltpotenzial.
Das kann eine ähnliche Qualität entwickeln, wie sie in Frankreich für den verheerenden Umfang der Ausschreitungen verantwortlich gewesen ist.
Das kann man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Da bestehen erhebliche Risiken.
Michael Mross: Noch einmal zu dem Punkt, dass das Ganze vielleicht auch ein bisschen vom Ausland gesteuert wird.
Wir haben jetzt, wie gesagt, noch ein paar Tage Zeit.
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass linke Kräfte in Europa, die sich jetzt in Mailand, Frankreich und anderswo ausgetobt und dort auch ihre Erfahrungen gesammelt haben, nun das Ganze in Deutschland koordinieren?
Deutschland war ja bisher immer so eine Art Oase der Ruhe, in der man sich so etwas gar nicht vorstellen konnte.
Umso größer wäre der Effekt, wenn es hier tatsächlich einmal richtig knallt.
Manfred Rouhs: Die größten Risiken drohen uns von Frankreich und Italien aus. Da ist die räumliche Nähe am größten.
Da besteht auch eine gewisse Routine des Demonstrations- und Randaletourismus. Den hatten wir in der Vergangenheit schon einige Male.
Gerade in dieser Region wurde immer wieder mobilisiert.
Die Franzosen haben am letzten Wochenende gezeigt, dass sie in der Lage sind, ihr eigenes Land mehr oder weniger in Schutt und Asche zu legen.
Die werden das an diesem Wochenende noch einmal wiederholen. Da wird es trotz der Ausgangssperren wieder rundgehen.
Und dann haben sie möglicherweise Hände und Füße frei, um am darauffolgenden Wochenende nach Deutschland zu kommen.
Ich weiß nicht, ob an den Grenzen ab dem Donnerstag oder Freitag davor die Handlungsfähigkeit der Bundespolizei ausreicht, um deren Einreise nach Deutschland zu verhindern.
In der Vergangenheit hat das nicht immer funktioniert.
Wenn wir diese Leute erst einmal in unseren Ballungszentren haben, dann kann es rundgehen. Dann kann es Tote geben, wenn es sehr schlecht kommt.
Auf jeden Fall drohen erhebliche Sachschäden.
Denn damit hat diese Szene jetzt gute Erfahrungen gemacht. Die haben geübt, wie sie ein Luxuskaufhaus plündern können, und sie werden versuchen, das auch in Deutschland zu tun.
Michael Mross: Wir hatten ja sogar die Champs-Élysées nicht mehr unter Kontrolle, wenn ich das richtig sehe. Da habe ich weit und breit keinen Polizisten gesehen.
Manfred Rouhs: Die haben sich zurückgezogen, sind geflohen und haben die Kontrolle verloren.
Ein solcher Kontrollverlust droht am 31. Oktober und am 1. November auch in Deutschland.
Michael Mross: Das sind schlechte Aussichten, Manfred. Aber wir müssen wahrscheinlich mit dem Schlimmsten rechnen.
Manfred Rouhs: Ja, das sieht so aus.
Ich kann nur hoffen, dass durch diese Ereignisse ein politischer Druck entsteht, der den Menschen insbesondere in Westdeutschland, wo manche immer noch auf die alten politischen Kräfte setzen, die Augen öffnet.
Es ist Zeit für Veränderungen.
Es muss eine andere Gangart im Bereich der Innenpolitik realisiert werden, und dabei müssen alle konstruktiven Kräfte zusammenarbeiten.
Konservative genauso wie Rechte.
Aber ich glaube, dass es selbst in der alten Tante SPD noch einen Teil gibt, der aus den Zeiten von Helmut Schmidt übrig geblieben ist und der ebenfalls davon überzeugt ist, dass die Zerstörung volkswirtschaftlicher Werte nicht einfach so hingenommen werden kann.
Das liegt schließlich auch nicht im Interesse der arbeitenden Menschen in diesem Land.
Ich hoffe, dass es gelingt, daraus ein breites Bündnis zu schmieden, um die Rechtsstaatlichkeit zu bewahren und die politische Entwicklung nicht der Straße zu überlassen.
Michael Mross: Ja, Vernunft ist das Gebot der Stunde.
Aber mit den Linken, die den Fluchtkorridor nach Berlin noch öffnen wollen, ist das wahrscheinlich nicht zu machen.
Manfred Rouhs: Nein, im Gegenteil.
Die planen ja auch weitere Einbürgerungen, um eine andere Wahlbevölkerung zu schaffen und ihre eigenen Mehrheiten dauerhaft zu zementieren.
Sie planen mehr Handlungsfreiheit, insbesondere für die einschlägigen kriminellen Milieus in Berlin.
Die Verknüpfungen, nicht nur in Neukölln, sind da offensichtlich.
Es ist auch ganz klar, dass das Potenzial besteht, dass sich ein solches Milieu bei Ereignissen, wie sie für den 31. Oktober angekündigt sind, mit einklinkt.
Das sind eigentlich nicht die natürlichen Bündnispartner der klassischen Linken. Aber sie sind Bündnispartner aus dem Affekt heraus, Bündnispartner aus dem Momentum.
Daraus kann eine Gemengelage entstehen, bei der ich nicht weiß, ob die Polizei im Ruhrgebiet, in Hamburg und an anderen Orten Deutschlands sie noch im Griff hat.
Vor allem dann nicht, wenn es eine Polizei ist, der der Rückhalt im politischen Betrieb fehlt.
Michael Mross: Ja, das sind schlechte Aussichten. Manfred, ich danke dir für das Gespräch.
Manfred Rouhs: Gerne.
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