Modulare Bauweise: Erdogans elektrischer Türkenbomber ist eine Mogelpackung

Modulare Bauweise: Erdogans elektrischer Türkenbomber ist eine Mogelpackung

Stolz wie Bolle verkündete der türkische Staatspräsident Recep Erdogan Ende Dezember 2019 eine Zeitenwende in der internationalen Automobilindustrie. Ab 2022 werde der TOGG die Autobranche aufrollen, ließ er die Weltöffentlichkeit wissen. Die Abkürzung steht für „Türkische Automobil-Initiative“. Wie ein Gockel stolzierte Erdogan um ein leider offensichtlich fahruntaugliches SUV der neuen Marke herum, dessen Entwicklung den türkischen Steuerzahler umgerechnet rund 3,3 Milliarden Euro gekostet hat. In den Worten des Präsidenten schwang Pathos mit: „Heute erleben wir einen historischen Tag für unser Land, erleben, wie ein Traum von 60 Jahren wahr wird.” Bis Ende 2035 will der türkische Staat davon 30.000 Exemplare kaufen. Ab 2022 sollen die ersten Exemplare über türkische Straßen rollen und sich auf die Suche nach den bislang in der Türkei eher sparsam ausgestreuten Ladestationen machen.

Nun haben weder Türken noch Araber das Automobil erfunden, sondern die Deutschen. Oder um genauer zu sein: die Schwaben. Allerdings waren die Schwaben so gütig, türkische Gastarbeiter mit einem Teil ihrer Fähigkeiten vertraut zu machen. Eine davon hieß Mehmet Gürcan Karakas, der bei Erdogans Präsentation des TOGG neben seinem Staatschef auf der Bühne stand und als technischer Leiter des Projektes vorgestellt wurde. Bei Bosch hatte er es immerhin bis zum Manager geschafft.

Wie setzt Karakas die politische Vorgabe für den Bau eines türkischen Elektroautos um?

Offenbar modular. Das heißt: Die halbe Welt baut Teile eines elektrischen Automobils, dessen Komponenten in der Türkei unter der Aufsicht des ehemaligen Bosch-Managers Mehmet Gürcan Karakas zusammengesetzt und mit dem Label „Made in Türkey“ versehen werden. Die Karosserie stammt aus Italien. Die Batterie möglicherweise aus Korea. Vom Antrieb weiß man es noch nicht: Die bislang vorgezeigten Prototypen bewegten sich keinen Zentimeter.

Erdogans Bezugnahme auf einen „Traum von 60 Jahren“ kam nicht von ungefähr. Damals scheiterte mit dem „Devrin“ der Versuch, ein Automobil aus in der Türkei gefertigten Teilen zu bauen. Eine solche Panne wird sich in den 2020er Jahren nicht wiederholen, weil die Türken den TOGG nicht wirklich selbst bauen, sondern nur Komponenten ineinanderstecken und das Ergebnis umlabeln. Das werden sie schaffen, keine Frage!

Ich wage aber die Prognose, dass die meisten türkischen jungen Männer auch künftig tiefergelegten BMW den Vorzug geben werden. Elektrisch oder nicht: Auto ist Image. Und das schafft die Modulbauweise nicht.

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