Sahra Wagenknecht und die nationale Option der deutschen Linken

Sahra Wagenknecht und die nationale Option der deutschen Linken

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Rund 70 Prozent der Wähler der Partei Die Linke lehnen eine Politik der „offenen Grenzen“ ab. Viele von ihnen sind gelernte DDR-Bürger – da wäre alles andere ja auch irgendwie makaber. Aber der Bundesparteitag der Linken verabschiedete am 9. Juni 2018 eine Resolution des Parteivorstandes um Katja Kipping, die ausdrücklich fordert, was das linke Wahlvolk nicht will: Grenzen auf für alle!

Sahra Wagenknecht wurde von der Parteitagsmehrheit ausgebuht für den Satz: „Den Hungernden in Afrika nützen offene Grenzen nichts, weil sie gar nicht die Mittel haben, sich auf den Weg (nach Europa) zu machen. Die Allerärmsten der Welt brauchen unsere Hilfe vor Ort.“

Ja, „helfen vor Ort“ ist vielleicht das einzige, was Afrika und durchaus auch Europa noch retten kann, aber genau das wollen die Linken nicht. Sie sind Gefangene einer internationalistischen Ideologie, die im 19. Jahrhundert unter Voraussetzungen entstand, die lange schon hinfällig sind, und unter Annahmen, die mit dem Opfer von Millionen Menschenleben widerlegt wurden, von denen aber immer noch etwas herumspukt in den Köpfen ideologisch weltfremder Beschwörer alter Gespenster.

Karl Marx schrieb im Kommunistischen Manifest: „Die Arbeiter haben kein Vaterland. Man kann ihnen nicht nehmen, was sie nicht haben. (…) Die nationalen Absonderungen und Gegensätze der Völker verschwinden mehr und mehr schon mit der Entwicklung der Bourgeoisie, mit der Handelsfreiheit, dem Weltmarkt, der Gleichförmigkeit der industriellen Produktion und der ihr entsprechenden Lebensverhältnisse.“

Der Religionsstifter der sozialistischen Internationale sprach damit genau jenen Verhältnissen zu, die heute der Globalisierungskapitalismus zu erzwingen versucht – gegen den erbitterten Widerstand der Völker. Marxismus und Globalisierungskapitalismus bilden die beiden Seiten ein- und derselben Medaille des materialistisch-hedonistischen Weltbildes, das die Völker auslöschen und den einzelnen Menschen reduzieren will auf seinen materiell definierbaren Nutzen für den Gott des neuen, vermeintlich goldenen Zeitalters, den Shareholder Value.

Wer aus dem Dualismus dieser beiden kulturzerstörerischen Ideologien ausbrechen will, muss sich zunächst einmal von den geistigen Ketten der materialistischen Ideologie befreien, die die gemeinsame Basis, sozusagen den gemeinsamen bösen Kern von Marxismus und Liberalismus bildet.

Kann Sahra Wagenknecht das? Schafft sie den Sprung über die Grenzen, die ihr derzeit noch von ihrem marxistischen politischen Horizont gesetzt werden?

Nach einer Umfrage des Instituts Insa können sich 25 Prozent der wahlberechtigten Deutschen vorstellen, ihr Kreuz bei einer „Liste Sahra Wagenknecht“ zu machen. Setzen wir dieses Potential in eine Beziehung zu 30 Prozent Wählerpotential der AfD, das nicht nur Thilo Sarrazin sieht, sondern beispielsweise auch der Jenaer Sozialforscher und AfD-Gegner Matthias Quent, dann ergibt sich daraus auch nach dem Abzug einer Schnittmenge von sicher um die 10 Prozent eine Perspektive für grundstürzende politische Veränderungen in Deutschland: für eine neue Mehrheit jenseits der Altparteien.

Die irische, die baskische, die katalanische Nationalbewegung sind ausdrücklich linksgerichtet. Warum sollte nicht auch in Deutschland eine post-marxistische, linke Nationalbewegung entstehen können, die den sozialen Protest der Verlierer wie der ideologischen Gegner des Globalisierungskapitalismus in konstruktive Bahnen lenkt?

Foto oben: Gut, dass Dietmar Bartsch zwischen Katja Kipping und Sahra Wagenknecht steht. Sonst würden sich die beiden womöglich die Augen auskratzen. Foto: CC-Lizenz, DerHexer

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