Zuletzt aktualisiert 12. Januar 2026
In der deutschen öffentlichen Diskussion über die Politik der Regierung Trump gegenüber Grönland spielen objektive politische, insbesondere geostrategische Interessen der USA keine Rolle. Diese Interessen bestanden bereits, bevor Trump US-Präsident wurde, und sie werden auch nach dem Ende seiner Präsidentschaft bestehen. Wer die Fakten nicht kennt, kann sich über Trump und Grönland keine sachliche, gut begründete Meinung bilden.
Strategische Lage und Militärpräsenz
Grönlands geografische Lage zwischen Nordamerika und Europa macht die Insel zu einem strategisch bedeutenden Standort für die US-Luftabwehr. Die Thule Air Base im Norden Grönlands spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die Basis ermöglicht es den USA, den arktischen Raum und den Nordatlantik effektiv zu überwachen, potenzielle Bedrohungen schnell zu erkennen und darauf zu reagieren.
Nehmen wir einmal an, Russland würde Boden-Boden-Raketen auf die USA abfeuern. Ohne die Thule Air Base wäre deren Aufklärung vollständig von einer Satellitenüberwachung abhängig, die mit Killer-Satelliten angegriffen werden kann. Zudem wären amerikanische Abfang-Versuche mit gegen Luftangriffe gerichteten Boden-Luft-Raketen ohne den Standort Grönland nur mit einer erheblichen Verzögerung möglich.
Ressourcenreichtum
Der technische Fortschritt bietet neue Möglichkeiten für Rohstoffabbau und Schifffahrt in der Arktis. Grönland verfügt über bedeutende Vorräte an Lithium, Erdöl, Erdgas und anderen Ressourcen. Diese Rohstoffe sind besonders für die Technologien der Zukunft von Interesse, wie etwa Akkus für Elektroautos und Erneuerbare Energien. Die Kontrolle über diese Ressourcen könnte den wirtschaftlichen und technologischen Einfluss der USA stärken, und sie käme der amerikanischen wirtschaftlichen Entwicklung zugute.
Schifffahrtsrouten
Die Eismassen in der Arktis sind für moderne Schiffe überwindbar geworden. Das verändert die globalen Handelsrouten. Die Nordwestpassage wird zunehmend als alternative Schifffahrtsroute interessant, die kürzere Wege zwischen Europa und Asien ermöglicht. Ein stärkerer Einfluss der USA in Grönland könnte die Kontrolle über diese Verkehrswege sichern und die US-amerikanischen Handelsinteressen fördern.
Kein Steckenpferd von Donald Trump
Das US-amerikanische Interesse an Grönland ist kein Steckenpferd von Donald Trump. Militärisch ist Grönland für die USA unverzichtbar. Wirtschaftlich wird die Insel immer wichtiger. Die Dänen haben ohne die USA keine Chance, die Kontrolle über diese gewaltige Insel zu behalten, die knapp 50 Mal so groß ist wie Dänemark selbst. Wie auch immer eine mögliche Einigung zwischen Dänemark und den USA über Grönland aussehen mag: Die USA haben im Ringen um Grönland ein deutliches Übergewicht, dass Trump auszuspielen versucht.

