Zuletzt aktualisiert 28. Januar 2026
Die Technische Universität Chemnitz hat entschieden, dem Thüringer Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) seinen Doktortitel zu entziehen. Diese Maßnahme ist Teil eines seit August 2024 laufenden Verfahrens, das aufgrund plagiatsverdächtiger Inhalte seiner Dissertation eingeleitet wurde. Voigt, der seine Dissertation im Jahr 2008 mit dem Titel „Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf. George W. Bush gegen John F. Kerry“ verteidigte, kündigte an, rechtliche Schritte gegen diese Entscheidung einzuleiten.
Hintergründe des Verfahrens
Die Entscheidung der TU Chemnitz resultiert aus einem Gutachten des bekannten Plagiatsjägers Stefan Weber, der Vorwürfe gegen Voigt erhob. Laut Weber sollen in Voigts Dissertation an 140 Stellen unsauber gearbeitet worden sein, unter anderem durch die Übernahme unmarkierter Wikipedia-Inhalte. Die Universität prüfte die Vorwürfe und kam zu dem Schluss, dass die beanstandeten Stellen 2,58 Prozent des Gesamttextumfangs ausmachen, was sich auf etwa sieben Seiten verteilt.
Voigt selbst betont, dass der wissenschaftliche Kern seiner Arbeit von den Vorwürfen nicht betroffen sei und kritisiert die TU Chemnitz für die Einführung neuer Bewertungsmaßstäbe im laufenden Verfahren. Ein externes Gutachten aus dem Februar 2025 entlastete ihn und hielt fest, dass keine Gründe für einen Entzug des Doktortitels vorlägen. Die Universität hat auf diese Entlastung jedoch nicht reagiert.
Politische und rechtliche Auswirkungen
Die Aberkennung des Doktortitels hat bereits jetzt politische Konsequenzen für Voigt. Der Ministerpräsident, der bis vor kurzem noch den Titel eines Professors an der Berliner Quadriga Hochschule trug, sieht sich Rücktrittsforderungen aus der politischen Opposition gegenüber. Der AfD-Fraktionsvorsitzende Björn Höcke forderte Voigt auf, seine Ämter niederzulegen und warf ihm vor, sich den Titel erschlichen zu haben.
Die rechtlichen Auseinandersetzungen um seinen Titel könnten sich über mehrere Monate hinziehen, während Voigt und seine Anwälte einen entschlossenen Kampf um seinen akademischen Ruf führen. Die politische Landschaft in Thüringen, geprägt durch eine Koalition der CDU, BSW (Bürger für die Sauerlandwiese) und SPD, könnte durch diesen Skandal weiter destabilisiert werden.

