Zuletzt aktualisiert 23. März 2026
Die alte Idee der Abgrenzung eines kleineren von einem größeren parteipolitischen Übel ist seit den letzten Landtagswahlen wieder zurück. Im einen Fall schienen die Grünen und im anderen Fall die CDU das kleinere Übel zu sein. Die SPD geht in den freien Fall über und sucht nun Rettung in der rhetorischen Abgrenzung von ihrem christdemokratischen Koalitionspartner.
Bärbel Bas und Lars Klingbeil wollen bleiben
Bärbel Bas und Lars Klingbeil wollen an der Parteispitze verharren. Und zwar nach eigenem Bekunden nicht, weil sie keine andere berufliche Perspektive haben und außer Parteipolitik nichts können. Sondern, weil sie „das Land in der aktuellen Lage nicht mit Personaldebatten lahmlegen wollen“. Gegen die CDU/CSU wollen sie jetzt allerdings „Tacheles sprechen“, kündigt Lars Klingbeil an. Denn die Unionsparteien würden den Interessen ihrer Stammwähler schaden, der Arbeiterschaft: „Die sollen mehr arbeiten. Die sollen sich nicht so viel krankschreiben lassen. Die sollen nicht so viel Teilzeit machen. Die sollen bis 70 arbeiten. Und vielleicht auch noch den Zahnarzt privat bezahlen.“ So zitiert ihn der „Focus“.
Der Koalitionspartner ist also schuld am Absturz der SPD? Läge da nicht ein Austritt aus der Regierung nahe?
Nein, derzeit bestimmt nicht. Denn in diesem Fall würde die SPD, wie alle Umfragen belegen, noch weiter abstürzen. Zudem besteht keine realistische Koalitionsoption jenseits von Schwarz-Rot, solange die AfD aus der Unionsperspektive als Koalitionspartner außen vor bleibt.
Die Situation der SPD erinnert an die Lage der FDP in der Ampelzeit. Die Liberalen verloren im Bündnis mit Rot und Grün immer mehr an Profil und Zuspruch. Also ließen sie die Koalition kurz vor deren regulärem Ende platzen. Und danach waren sie weg vom Fenster.
SPD = FDP?
So könnte es auch der SPD ergehen.
Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Dort schwankt die SPD in Meinungsumfragen derzeit noch zwischen sechs und acht Prozent, hat also nicht allzu viel Luft nach unten. Würde sie es nicht mehr in den Landtag schaffen, bliebe der CDU günstigstenfalls die Option einer Koalition mit dem BSW und der Linken – falls nicht die AfD mit rund 40 Prozent der Stimmen eine absolute Mehrheit der Mandate im Landtag einfahren sollte, was nicht ganz unwahrscheinlich ist. Das wäre möglicherweise der Anfang vom Ende des alten Parteiensystems.
Die SPD ist auf dem besten Weg, in die Fußstapfen der FDP zu treten. Und die vermisst derzeit in der deutschen Politik niemand wirklich.

