Zuletzt aktualisiert 6. Februar 2026
Die Geschichte des US-amerikanischen Investmentbankers und Pädo-Kriminellen Jeffrey Epstein ist offenbar noch nicht zu Ende erzählt. Ständig kommen neue, bizarre Details der Kontakte des Party-Organisators aus New York City ans Tageslicht. Regierungen zittern, Prinzen und Prinzessinnen stürzen ins Bodenlose – und über dem ganzen abscheulichen Dreck steht die Frage: Welchen Sinn hatten Epsteins bizarre, aufwändige Aktivitäten?
Fotos beispielsweise von Bill Clinton zusammen mit einem Mädchen, das jünger ist als seine Tochter, oder mit einem wichtigen britischen Labour-Politiker in Unterhose neben eine Mätresse haben für die Öffentlichkeit und die ihr dienenden Boulevardmedien zweifellos einen hohen Unterhaltungswert. Und sie gaben Epstein Macht über andere. Eine Gemengelage, aus der ihr Strippenzieher offenbar selbst im relativen Schutz einer Gefängniszelle nicht lebend herausgefunden hat. Wie und warum genau er starb, muss noch aufgeklärt werden. Oder von Hollywood verfilmt werden. Oder beides.
Wozu aber das Ganze? Kann es sein, dass Epstein allen Ernstes für Millionen US-Dollar eine der Amerikanischen Jungferninseln gekauft und dort seinen Wohn- und Partysitz eingerichtet hat, nur um im Bund mit anderen triebgesteuerten alternden Männern seinen sexuellen Neigungen nachzugehen? Das würde als Drehbuch bei jeder Filmproduktionsgesellschaft durchfallen. Es muss doch mehr dahinterstecken! – Oder etwa nicht?
In diesen Tagen erhält eine sehr spannende Verschwörungserzählungen Auftrieb durch öffentliche Äußerungen des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk, der angibt, dass die Behörden seines Landes derzeit mögliche Verbindungen russischer Geheimdienste zu Epstein untersuchen. Eine Agentengeschichte, die US-amerikanische und europäische Medien gerne aufgreifen und mit vielen spannenden Bildern aufbereiten: War Epstein ein Agent Putins, eingesetzt zu dem Zweck, die Dekadenz und moralische Verkommenheit der westlichen Eliten zu entlarven?
Falls dem so sein sollte, dann wäre er einer der erfolgreichsten Agenten der russischen Geschichte gewesen. Nachweisbar sind aber bislang lediglich Bemühungen Epsteins, sich bei den Russen als Informationsquelle über US-Politiker anzudienen. Erfolgreich scheint er damit nicht gewesen zu sein.
Braucht die westliche Elite feindliche Geheimdienste, um der Weltöffentlichkeit ihre Verkommenheit und Dekadenz vor Augen zu führen?

Der Fall Epstein indiziert eher das Gegenteil. Die Menschen sind seit der Antike nicht besser geworden. „Die Römer der Dekadenz“, wie sie Thomas Couture 1847 in Öl malte, sind immer noch dieselben. Und wo viele wünschen und wollen, da finden sich immer auch einige, die können und tatsächlich tun.
Das ist (wahrscheinlich) die ganze Geschichte. Wir könnten resümieren: Im Westen nichts Neues!

