Zuletzt aktualisiert 30. März 2026
Die Stimmung war unüberhörbar gut, als der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa beim Staatsbesuch in Berlin im Nobelhotel Ritz-Carlton Halt machte und sich von seinen Anhängern feiern ließ. Vor der Türe demonstrierten Menschen aus dem Nahen Osten für und gegen al-Scharaa, der bis 2024 noch auf US-amerikanischen Fahndungslisten als Terrorist gesucht wurde.
Seinerzeit war er der Anführer eines sunnitisch-islamischen bewaffneten Haufens, nachdem er sich bereits 2003 dem al-Qaida-Netzwerk Osama bin Ladens angeschlossen hatte. Demokratisch legitimiert ist er nicht. Ins Präsidentenamt gelangte er, weil seine Streitmacht als militärischer Sieger aus dem syrischen Bürgerkrieg hervorging.
Bei den Gesprächen des syrischen Staatsgastes mit Friedrich Merz geht es um deutsche Aufbauhilfen für Syrien und um die Rückführung von Asylbewerbern, die in Deutschland Zuflucht vor dem Assad-Regime gefunden hatten. Soweit es sich dabei um jene Anhänger der neuen Herren in Damaskus handelt, die heute in Berlin Fahnen des syrischen Regimes hochhielten, ist schwer nachvollziehbar, was diese Menschen jetzt noch in Deutschland festhält. – Jedenfalls, falls wir soziale Transferleistungen als Bleibegrund ausblenden wollen.
Abzusehen ist, dass al-Scharaas Berlinbesuch für den deutschen Steuerzahler nicht kostenlos sein wird. Deutschland ist zwar ganz offenbar nicht verantwortlich dafür, dass Teile Syriens in Schutt und Asche liegen. Trotzdem will sich die Bundesregierung den Aufbau des von Deutschland 4.000 Kilometer entfernten Landes etwas Kosten lassen. Friedrich Merz gibt sich hinsichtlich der Aufbaupläne al-Scharaas optimistisch: „Wir begleiten diesen Prozess mit Sympathie und Unterstützung. Viele gemeinsame Projekte sind davon abhängig, dass wir einen Rechtsstaat mit verlässlichen Rahmenbedingungen vorfinden.“
Von den knapp eine Million Syrern, die derzeit in Deutschland leben, sollen 80 Prozent in ihre Heimat zurückkehren, besprach Merz heute mit seinem syrischen Staatsgast. Das äußerte der Bundeskanzler allerdings auch bereits kurz nach seiner Wahl ins Amt im Mai 2025, und geschehen ist bislang – nichts.
