NSU 2.0: Einmal von der Mücke zum Elefanten und zurück

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Zuletzt aktualisiert 5. Mai 2021

Jahrelang hielt ein Schrecken namens NSU 2.0 wenn nicht ganz Deutschland, so doch zumindest die Macher der hiesigen veröffentlichten Meinung in Atem. Politiker, Journalisten und mehr oder weniger prominente Gutmenschen erhielten eMails und SMS-Nachrichten mit Verwünschungen und Todesdrohungen. Die Äußerungen sollen „Insiderinformationen“ enthalten haben, und deshalb suchte die Polizei den Täter in ihren eigenen Reihen. Die Untaten des NSU 2.0 schienen zu bestätigen, was die Journaille ohnehin vermutet: Die Polizei habe in ihren Reihen ein Problem mit „Rechtsextremisten“.

Und jetzt kommt doch alles ganz anders.

In Berlin ist ein 53-jähriger Arbeitsloser festgenommen worden unter dem Verdacht, Urheber der NSU-2.0-Bedrohungsserie zu sein. Ihm ordnen die Ermittler insgesamt 115 verbale Angriffe auf 32 Personen und 60 Institutionen in neun deutschen Bundesländern und in Österreich zu. Der Mann hat dem Vernehmen nach keine Insiderinformationen von Polizisten bezogen und stand auch selbst nie im Staatsdienst. Er ist umfassend vorbestraft: wie der „Tagesspiegel“ meldet wegen „Störung des öffentlichen Friedens, (…) Verbreitung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen (…) Urkundenfälschung, Beleidigung und Weitergabe von jugendpornografischem Material“.

Hinzu kommt noch Amtsanmaßung, wie die „Süddeutsche“ ergänzt. Die erklärt auch, wie der Tatverdächtige nach dem derzeitigen Kenntnisstand an seine vermeintlichen „Insiderinformationen“ gelangt ist: er gab sich als Beamter aus und fragte sich durch.

So ändern sich die Zeiten: Heinrich Haarmann musste im Berlin der 1920er Jahre noch jede Woche einen Menschen umbringen und ihn zerstückeln, um es monatelang auf die Titelseiten der Zeitungen zu schaffen. Heute genügen geschicktes Herumfragen und der Versand von eMails mit den vom Zeitgeist herbeigewünschten Inhalten, um dasselbe zu erreichen.

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