„Unser Geldsystem ist Unrecht“ – Verwaltungsjurist schlägt neues Geldsystem vor

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Zuletzt aktualisiert 25. April 2021

Der Verwaltungsjurist und frühere Regierungsdirektor Bernd Udo Hack war unter anderem mehrere Jahre bei der Deutschen Stiftung für Internationale Entwicklung tätig. Als Asienreferent und stellvertretender Abteilungsleiter war er für unterschiedliche Länder der sogenannten Dritten Welt auf dem Gebiet der Verwaltungshilfe zuständig. Dabei seien ihm immer wieder „tiefschürfende Fragen“ zu den Ursachen des „Wirtschaftswunders“ im damaligen Westdeutschland gestellt worden, denn diesen Aufschwung habe man gerne nachahmen wollen. Rückblickend sagt er, diese Debatten seien „seiner Neigung zu gründlichem und analytischen Denken“ entgegengekommen.

Doch erst, als er vor rund 20 Jahren in den Ruhestand ging, habe der Entwicklungshilfefachmann begonnen, sich mit der Natur des Geldsystems zu befassen. Seine Erkenntnisse fasste er in seinem Buch „Wir brauchen ein neues Geldsystem – das gegenwärtige ist Unrecht“ zusammen. Kerngedanke des vorgeschlagenen Modells ist, dass es keine Geldwertstabilität geben dürfe. Hack führt aus: „Wenn durch Zeitablauf ganz natürlich (…) die realen Produkte (…) ihren Wert verlieren (…) und die Geldmenge bleibt gleich, dann habe ich eine Inflationssituation. (…) Die Lösung ist: Man muss die Geldmenge künstlich auch ‚verderben‘ lassen in etwa im gleichen Rhythmus wie die realen Güter auf der anderen Seite.“ Dieses „bewegliche Gleichgewicht“ sei in etwa vergleichbar mit einem Künstler auf dem Hochseil, der mit der Balancierstange ständig an seinem Gleichgewicht arbeitet.

Hack sagt: „Die Geldmenge muss immer in beweglichem Gleichgewicht bleiben mit der Warenmenge, damit es keine Inflation gibt.“ Denn Geld sei eigentlich nur ein Tauschmittel, quasi wie eine Art Gutschein, der ja auch an die Ware gebunden ist. Die vorherrschende Meinung lasse dies dagegen außer Acht und erkläre, Geld müsse idealerweise wertstabil sein und zwar unabhängig davon, wie sich die Warenmenge entwickelt. Die Vorschläge hätten ansonsten auch Auswirkungen auf das Prinzip von Zinsen. Diese dürfe es in dem neuen System nicht geben. Hack erklärt: „Dieses Phänomen der beschränkten Haltbarkeit ist auch entscheidend für die Zinsen. [Angenommen,] ich habe 100 Euro übrig und gebe die als Kredit an einen Nachbarn für ein Jahr, dann sagt der: ‚Gerne, aber ich will auch noch 10 Prozent Zinsen haben.‘ Da sage ich: ‚Wozu denn das? Das Geld, dass du mir gibst, würde ja durch den natürlichen Wertverlust auch Wert verlieren durch den Abschlag. (…) Keine Zinsen, du hast den Vorteil dadurch, dass du den Abschlag vermeidest.'“ Die regelmäßige Ermittlung der Höhe der Wertabschläge und der (zinslos) neu auszugebenden Geldmenge sei am ehesten durch eine unabhängige „Monetative“ zu gewährleisten. Die eigentliche gesellschaftliche Herausforderung bestehe aber darin, dass für die Umsetzung des vorgeschlagenen Systems ein grundlegendes Umdenken nötig wäre.

Auf die Frage, warum seine Vorschläge in der etablierten Fachwelt heute keine Rolle spielen, sagt Hack: „Die Folge wäre ja, dass all die hohen Leute ihre Bücher umschreiben müssten, wenn sie das erklären.“

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